Chikungunya aus Kuba, Dr. Travel

Carlos ist ursprünglich Kubaner. Er lebt jedoch seit 24 Jahren in der Schweiz. Im November besucht er für einen Monat seine Verwandten in Pinar del Río, südwestlich von Havanna. Gegen den Schluss des Besuchs nach 3 Wochen leidet er akut an hohem Fieber, Gelenk- und Muskelschmerzen. Dazu gesellt sich ein Hautausschlag. Zurück in der Schweiz kommt er in die Praxis, weil die Gelenkschmerzen nicht besser geworden sind und insbesondere, weil ihm die Füsse dermassen schmerzen, dass er fast nicht mehr gehen kann. Am Stamm zeigt sich ein diffuser Ausschlag, welcher wegdrückbar ist. Ich mache eine Blutentnahme, bestelle ein grosses Blutbild und teste die Gerinnung, die Leberwerte, Dengue, Chikungunya und Zika. Nach wenigen Tagen sehe ich Carlos erneut. Die Beschwerden sind nicht besser geworden aber die Diagnose zeig eindeutig eine Infektion mit dem Chikungunya-Virus. Ich behandle symptomatisch. Da ich durch die Tests ein Dengue Fieber und eine Veränderung des Blutbildes ausgeschlossen habe, können nun auch etwas stärkere Schmerzmittel als Paracetamol, wie zum Beispiel Diclofenac (Voltaren) oder Ibuprofen zum Einsatz kommen. Dazu informiere ich Carlos, dass die Abheilung der Beschwerden 3 bis 4 Monate dauern kann. Eine gezielte Therapie gegen Chikungunya gib es nicht.

Chikungunya kommt weltweit in tropischen und subtropischen Regionen vor. In Kuba kommen, im Zusammenhang mit intensiven Niederschlägen, seit Mitte 2025 landesweit Erkrankungen mit Chikungunya vor. Bis Januar 2026 wurden mehr als 50’000 Fälle gezählt. In Südeuropa kommen Übertragungen in den Sommermonaten ebenfalls vor. Die Krankheit wird durch Mücken übertragen.

Ende Januar 2026 geht es Carlos besser. Der Ausschlag ist verschwunden aber die Gelenkbeschwerden sind immer noch zu spüren. Zum Glück sind die intensiven Schmerzen der Füsse wesentlich besser. Die Langzeitprognose ist bei gesunden meist gut. Eine durchgemachte Infektion führt zu einer lebenslangen Immunität.

So ist die Idee der Entwicklung einer Impfung entstanden. In der EU sind seit kurzem 2 Impfstoffe zugelassen: Ein Totimpfstoff mit voraussichtlich gutem Sicherheitsprofil und ein Lebendimpfstoff. Aufgrund von Meldungen zu unerwünschten Wirkungen setzte die US-amerikanische Arzneimittelbehörde die Zulassung des Lebendimpfstoffes im August 2025 aus. Zurzeit ist er in der EU, Kanada und Brasilien noch zugelassen. In der Schweiz ist mit einer Zulassung des Totimpfstoffes in der zweiten Hälfte 2026 zu rechnen. Studien zeigen betreffend Bildung von Antikörper gute Resultate. Zur eigentlichen Langzeit-Wirksamkeit und Sicherheit beim Menschen gibt es jedoch noch wenig bis keine Daten.

Somit kommt in Risikogebieten dem Mückenschutz mit hochkonzentrierten Insektenschutzmitteln und langer Kleidung auch tagsüber immer noch grosse Bedeutung zu.