Höhenkrankheit

Die Höhenkrankheit wird grundsätzlich durch „Sauerstoffmangel“, d. h. durch den niedrigeren Sauerstoff-Partialdruck verursacht. Je höher Sie gehen, desto weniger Sauerstoff befindet sich in der Luft, die Sie atmen und desto geringer ist der Partialdruck. Auf 5000 Metern über Meer beträgt der Sauerstoffgehalt in Ihrem Blut nur noch rund die Hälfte gegenüber demjenigen auf Meereshöhe. Je niedriger der Blutsauerstoffgehalt ist, desto grösser ist die Gefahr einer Höhenkrankheit.

Häufigkeit der akuten Höhenkrankheit

Bei einer Aufenthaltshöhe von ca. 2500 Metern leiden 15 – 20 % der Reisenden an akuter Höhenkrankheit. Auf einer Höhe von 4200 Metern bzw. sind es bereits 53 % der Reisenden.

Symptome

Die Symptome der akuten Höhenkrankheit sind Kopfschmerzen, Atemnot, Schwäche, Übelkeit, Schlafstörungen oder Schlaflosigkeit. Werden diesen Symptomen keine Beachtung geschenkt, läuft man Gefahr, dass sich die Symptome verstärken und eine Unterbrechung der Reise mit sofortigem Abstieg notwendig ist.

Risikofaktoren

Jeder der in grosse Höhen geht kann an einer akuten Höhenkrankheit erkranken. Begünstigt wird die Erkrankung durch folgende Faktoren

  • – Schneller Aufstieg (mehr als 800-1000 Höhenmeter pro Tag)
  • – Höhen über 2500 m (das Risiko steigt mit der Höhe)
  • – Grosse Anstrengungen in grossen Höhen
  • – Vorangegangene Erfahrungen mit Höhenkrankheit
  • – Übergewicht
  • – Fehlende Akklimatisation

Nicht geschützt vor akuter Höhenkrankheit sind Sie durch: Vorangegangene gute Verträglichkeit grosser Höhen, Vortraining, gute Kondition, junges Alter.

Vorbeugen

  • Nehmen Sie genügend Flüssigkeit zu sich. Für Sie als Selbstkontrolle: Ihr Urin sollte hell und klar bleiben.
  • Reduzieren Sie Ihre körperliche Aktivität: Wenn Sie schnell in Höhen über 2500m reisen, können Sie die Wahrscheinlichkeit einer Krankheit reduzieren, indem Sie es für mehrere Tage etwas gemütlich nehmen.
  • Hoher Aufstieg ist ok, jedoch nicht die hohe Schlafhöhe: Es kommt nicht so sehr darauf an, wie hoch Sie tagsüber aufsteigen. Aber versuchen Sie auf möglichst tiefer Höhe zu übernachten.
  • Akklimatisation (Höhenanpassung): Sie können die Wahrscheinlichkeit einer akuten Höhenkrankheit reduzieren, indem Sie langsam aufsteigen. Ein langsamer Aufstieg heisst, Ihre Übernachtungshöhe nicht um mehr als 300-600 Metern gegenüber der letzten Nacht zu steigern. Dies gilt ganz besonders bei Höhen über 3200m. Mit anderen Worten: Verbringen Sie einige Nächte auf mittlerer Höhe (2000-3000m) bevor Sie weiter aufsteigen. Danach sollten Sie für alle zusätzlichen 900-1200 Höhenmeter einen ganzen Tag rasten. Jeder einzelne zusätzliche Akklimatisationstag senkt jeweils das Risiko einer akuten Bergkrankheit signifikant.

 

Was tun bei leichter Höhenkrankheit? (Stadium 1)

Treten Symptome der akuten Höhenkrankheit auf (Kopfschmerzen, Müdigkeit, Übelkeit und Appetitverlust, Schlafstörungen und leichte Atemnot), sollten Sie Ihren Aufstieg stoppen, wobei die Symptome dann in 2-3 Tagen ganz verschwinden sollten. Die Kopfschmerzen können Sie mit einem der gängigen Schmerzmittel bekämpfen, wie z. B. Paracetamol, Mefenaminsäure- oder Ibuprofenhaltige Produkte.

Mittelschwere akute Höhenkrankheit (Stadium 2)

Dies ist eine Verschlimmerung der Symptome der leichten Höhenkrankheit. Wenn die Kopfschmerzen stärker werden oder Sie auf Schmerzmittel überhaupt nicht mehr ansprechen und/oder Sie zunehmende Atemnot bei körperlicher Betätigung bemerken, dann entwickeln Sie eine mittelschwere akute Höhenkrankheit das heisst zunehmende Wassereinlagerungen (= Ödem) in Hirn und/oder Lunge. Das Hauptsymptom des zunehmenden Hirnödems ist die so genannte „Ataxie“ oder ungeschickte, unwillkürliche Bewegungen. In diesem Falle müssen Sie sofort den Aufstieg unterbrechen und um 500-1000 m absteigen, bzw. bis zu der Höhe, bei welcher die Symptome verschwinden oder sich wenigstens bessern.

Schwere akute Höhenkrankheit (Stadium 3)

Sie leiden an schwerer Atemnot, Doppelbildern und Bewusstseinstrübungen. Sie sollten sofort in Begleitung absteigen.

Höhenlungenödem

Der Schweregrad der Höhenkrankheit ist kontinuierlich zunehmend, dass heisst, was mit einer typischen akuten Höhenkrankheit beginnt, kann in einen sehr viel ernstzunehmenderen Zustand umschlagen, der auch tödlich enden kann. Das Höhenlungenödem ist für die meisten Todesfälle überhaupt auf grossen Höhen verantwortlich. Die Häufigkeit des Höhenlungenödems wird auf 1-2 % der Bergsteiger geschätzt, die auf über 3600 m steigen. Ein erhöhtes Risiko (ca. 60 %) ist vorhanden, wenn Sie bereits vorgängig an einem Höhenlungenödem gelitten haben. Das Höhenlungenödem tritt häufig bei sehr schnellem Aufstieg in grosse Höhen auf. Die Symptome des akuten Lungenödems beginnen ca. 24-72 Stunden nach Ankunft in grosser Höhe und bestehen aus Atemnot, schnellem Puls und anhaltendem trockenen Husten. Wenn diese Symptome auftreten ist es am vernünftigsten sofort um mindestens 1000 Meter abzusteigen oder bis zu der Höhe, bei welcher die Symptome verschwinden oder sich wenigstens deutlich bessern.

 

Medikamente

Vorbeugend

Diamoxâ (=Azetazolamid) 250mg: 1 Tag vor Aufstieg beginnen, 2-3 mal tägl. über den Tag verteilt.

Achtung: Sulfonamid-Allergie und immer genügend trinken! Einnahmedauer bis zum definitiven Abstieg oder guter Akklimatisation. Nach spätestens 14 Tagen in grosser Höhe kann versucht werden die Dosierung zu reduzieren.

Behandlung

Kopfschmerzen: Gängiges Schmerzmittel.

Schlafstörungen: Schlafmittel dürfen vorsichtig eingesetzt werden, auf Alkohol verzichten.

Schwere akute Bergkrankheit/Hirnödem: (Kopfschmerzen, Übelkeit, Sehstörungen, Gangunsicherheit etc.): Sofortiger Abstieg oder Abtransport um mindestens 1000 Höhenmeter. Wenn vorhanden Sauerstoffbehandlung mit 2 bis 4 Liter pro Minute. Therapie mit Prednisolon Tabletten oder Dexametason Tabletten. Prednisolon (z. B. Spiricort®) à 50 mg, 1 Tablette anfänglich, dann alle 8 bis 12 Stunden ½ Tablette; oder Dexametason beginnend mit 8 mg, dann alle 6 bis 8 Stunden 4 mg.

Höhenlungenödem: (Atemnot auch in Ruhe, Reizhusten, rasselnde Atemgeräusche): Sofortiger Abstieg! Bei Unmöglichkeit des Abstieges und als unterstützende Therapie Nifedipine 2 oder 4 Kapseln à 5 mg zerbeissen, zusätzlich Nifedipine retard 20 mg sofort und weiterhin bis zum endgültigen Abstieg und Symptomfreiheit 1 Tablette alle 6 Stunden.

Malariaprophylaxe

In der Höhe (Höhengrenze von Land zu Land sehr verschieden) wird keine Malaria mehr übertragen. Bei Reisen in die Anden, Himalaja, Ostafrika etc. führen jedoch An- und Abreise häufig durch Malariagebiete. Eine notwendige Malariaprophylaxe darf nicht unterbrochen werden. Der Zeitpunkt der Tabletteneinnahme ist jedoch bei einer wöchentlichen Einnahme (z. B. Mephaquinâ, Lariamâ) nach Möglichkeit so zu wählen, dass diese nicht auf den Tag der grössten körperlichen Leistung fällt.